Zwischen Zufall und Kalkulation – Abstrakte Malerei im Kunstleistungskurs
Ein Ausbruch aus dem Schreiben von Analysen, dem Interpretieren und dem Deuten bereits vorhandener Kunst bot sich, als unser Kunstlehrer Dennis Graef initiierte, unser Wissen zur abstrakten Malerei in großem Stil selbst anzuwenden. Dazu stellte er uns, den Schüler:innen des KULT-Profils des 13. Jahrgangs, drei 113 x 113 cm große, mit Leinwand kaschierte Alu-Dibond-Platten zur Verfügung, die wir mithilfe verschiedenster Werkzeuge gestalten durften. Vor dem Hintergrund unseres Semesterthemas „Bewegung in der Malerei“ nutzten wir im November 2025 über mehrere Wochen den Unterricht im Kunstleistungskurs, um die Werke zu planen, umzusetzen, Pläne zu verwerfen, neu zu beginnen und abschließend zu einem überzeugenden Ergebnis zu gelangen. Die uns zur Verfügung gestellte Acrylfarbe trugen wir weniger mit Pinseln, sondern vor allem mit großen Rakeln, Spachteln, Schwämmen oder sogar Kehrblechen und Holzbrettern auf. Zunächst grundierten wir die Platten mit schwarzer Farbe, um einen geschlossenen Ersteindruck zu vermitteln, bevor wir die weitere Farbgestaltung diskutierten. Wir einigten uns dabei auf die Primärfarben Gelb, Rot und Blau sowie Weiß und Grün. Die großformatigen Platten legten wir während des Arbeitsprozesses aneinandergereiht flach auf den Boden, um von allen Seiten an ihnen arbeiten zu können und eine einheitliche Wirkung zu erzeugen – so führen die Linien der Rakel teils über alle drei Platten hinweg. Während der Gestaltung rückte die Bedeutung der Kursdynamik ins Zentrum: Der Dialog über Technik und Wirkungsabsicht – untereinander, aber auch im Austausch mit unserem Tutor Herrn Graef – war unverzichtbar und gleichzeitig eine gute Möglichkeit, unser Kontextwissen aus dem Leistungskursunterricht einzubringen. Zuvor hatten wir uns neben der abstrakt-expressionistischen Malerei Jackson Pollocks intensiv mit dem deutschen Maler Gerhard Richter beschäftigt. Während wir Pollocks Arbeitsweise aufgriffen, die Platten auf dem Boden liegend zu bespielen, orientierten wir uns an Richters Rakeltechnik, mit welcher wir die flüssigen Farben nicht nur miteinander vermischten, sondern auch Strukturen und scharfe Kanten schafften. Letztendlich bewegen sich die Werke unseres Leistungskurses zwischen Spontanität der Bewegungen und Kalkulation, bestimmt durch wochenlange Auseinandersetzung und die konstante Vornahme von Veränderungen. Aktuell sind die drei Werke in der Oberstufen-Cafeteria ausgestellt, wobei die Planung der Anordnung Teil des Arbeitsprozesses war. „Ich finde die Bilder schlecht, die ich begreifen kann“, so äußerte sich Gerhard Richter einmal zu seinen eigenen Abstrakten. An diesen Gedanken knüpfen auch unsere Werke an: Sie entziehen sich einer eindeutigen Deutung und stehen damit exemplarisch für einen künstlerischen Prozess, bei dem nicht das Ergebnis allein, sondern vor allem der Weg dorthin im Zentrum steht.
Johanna Dietrich (KULT 13)
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