Facharbeitsslam der IGS:FF im Haus der Wissenschaft

Wo kann man eine Modedesignerin und einen Lobbyisten des RWE treffen, bei einem Verhör der Stasi zuhören und sich anschließend vom personifizierten Patriarchat höchstpersönlich belehren lassen? In einem einzigen Raum gibt es das wahrscheinlich nicht allzu oft, doch der diesjährige Facharbeitsslam der IGS:FF machte es dem Publikum möglich. 

Donnerstag, 05. Februar 2026: Erneut findet der Facharbeitsslam des 12. Jahrgangs im Haus der Wissenschaft statt. Der Saal ist groß, geräumig und jeder der rund 200 Plätze ist besetzt – der Blick gerichtet auf die ausgeleuchtete Bühne, auf welcher die acht Slamer:innen die Erkenntnisse ihrer Facharbeiten präsentieren. Durch den Abend geleitet werden die Gäste und Vortragenden vom Moderationsteam des 13. Jahrgangs: Ida, Charlotte, Josefine und Johanna.

In den vergangenen Wochen hatten sich die Slammer:innen intensiv damit beschäftigt, die Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Arbeiten in unterhaltsame, ergreifende oder appellierende Vorträge zu verwandeln. Die acht Kandidat:innen hatten sich bereits innerhalb ihrer jeweiligen Klassen behaupten können und hatten nun acht Minuten Zeit, das eigene Facharbeitsthema verständlich und unterhaltsam für die Öffentlichkeit zu präsentieren. Der oder die Gewinner:in des Abends wird anschließend mithilfe eines Publikumsvotums ermittelt und bekommt das „Goldene Gehirn“ überreicht. 

Mit Gehirnen ging es auch direkt los, als Zoe als Doktor erläuterte, wie sehr unsere Ernährung mit unserer mentalen Gesundheit zusammenhängt – wer hätte gedacht, dass Darm und Gehirn miteinander freudig über unser Essen kommunizieren? Von Doktorkittel zu Anzügen: Thede betrat als Lobbyist des RWE die Bühne, regte sich über die Klimaaktivisten des Hambacher Forsts auf und erläuterte sehr seriös die Rechtslage bezüglich des dortigen Rodungsgebiets. Anschließend folgte Maya, die eine Szene des Films „Das Leben der Anderen“ nachstellen ließ, wodurch sie die Realitätsnähe des Verhörs im Film mit den tatsächlichen Vorgehensweisen der DDR verglich. Isabella stellte sich als die bekannte Modedesignerin Alix Grès vor und legte dar, wie sich bestimmte Designs seit der Antike wiederholen. Viola setzte sich mit eben dieser Mode kritisch auseinander, deckte die Doppelmoral europäischer Klamottenmarken in Bezug auf „Fast Fashion“ auf und appellierte, nicht länger blind durch die Produktwelt zu stolpern. Ihre Klamotten, die auf einmal von blutigen Händeabdrücken bedeckt waren, unterstrichen die Aussage, man solle sich das Leid der Menschen hinter den Klamotten bewusst machen. 

Der nächste Slam startete etwas heiterer, endete aber mit einer bitteren Botschaft für jeden faulen Schüler: Lilli fand mithilfe ihrer empirischen Studie heraus, dass in unserem Gehirn tatsächlich nur mit regelmäßiger Wiederholung von Inhalten ein Lerneffekt erzielt werden kann. Als nächstes hereingepoltert kam Maija als das Patriarchat, das sich lauthals über die Misogynie in der heutigen Filmindustrie freute. Einen Perspektivwechsel ermöglichte die Verkörperung der Performanceküstlerin Valie Export, mithilfe derer patriarchale Strukturen enttarnt wurden, die seit jeher unser aller Denken und Verhalten prägen. Den Abschluss bildete Manuel, welcher den China-Taiwan-Konflikt auf nachvollziehbare Weise erläuterte und das erschreckende und folgenschwere Machtgefälle der mächtigen Männer dieser Erde aufdeckte.

Ob inspirierend, informativ oder emotional und teils auch erschreckend – der Slam bescherte uns erneut einen gelungenen Abend, an welchem das Publikum nicht nur belustigt, sondern vor allem zum Nachdenken angeregt wurde. Abgerundet wurde der Abend schließlich durch das Überreichen des „Goldene Gehirns“ an Thede als Lobbyisten.

Johanna Dietrich (13.2)