Kunst der Gegenwart erleben und weiterdenken: Vier Wochen im Kunstverein Braunschweig

Kunstausstellungen kennen wir als Kunstleistungskurs nun einige: so etwa die des Herzog-Anton-Ulrich-Museums oder jene in den Münchner Pinakotheken. Wir sind sie durchgangen, sind hier und da stehen geblieben und haben eine Menge analysiert. Zwar haben viele dieser Besuche einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen – jedoch blieb es meistens bei einer einzigen Besichtigung. Einen Umbruch und somit eine sehr intensive Auseinandersetzung mit einer einzigen Ausstellung hingegen bot unsere Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Braunschweig unter der Leitung von Monja Remmers. Auf Initiative unseres Kunstlehrers Dennis Graef verbrachten wir über vier Wochen hinweg jeweils einen Nachmittag in der temporären Ausstellung „But you, yourself, with your own hand must open this door“. Diese zeigte die Werke junger Künstler:innen, die im Kosovo und Albanien leben oder deren Herkunft auf diese Länder zurückgeht. Im Zentrum steht die Suche nach der eigenen Identität und Zugehörigkeit sowie die Frage, inwiefern diese im geopolitischen Kontext eine Rolle spielt. In ihren vielfältigen Ausarbeitungen beschäftigten sich die Künstler:innen dabei auch mit Themen wie Tradition, Migration und Familie. Das Besondere an unseren Besuchen war, dass wir den theoretischen Hintergrund der Ausstellung mit unserem Wissen über künstlerische Herangehensweisen und eigenen Entwürfen für Werke verknüpfen konnten. Dies verschaffte uns einen Einblick in die Prozesse, die die Künstler:innen nicht nur bei ihrer Motivwahl und der künstlerischen Arbeit, sondern auch bei der Bespielung der zur Verfügung stehenden Räume durchlaufen. Dazu setzten wir uns bei unserem ersten Termin mit dem Kontext der Ausstellung auseinander, sammelten erste Eindrücke, tauschten uns darüber aus, diskutierten und analysierten abschließend. Eine Woche später widmeten wir uns individuell bestimmten Details der Ausstellungswerke, indem wir sie fotografisch und zeichnerisch festhielten. Somit nahmen wir die Ausstellung multiperspektivisch wahr. Unser dritter Besuch diente dazu, ein eigenes Kunstwerk zu entwerfen, welches die Ausstellung in Bezug auf Kontext und Funktion passend ergänzen könnte – hier reichten die Entwürfe von Bildern über Skulpturen bis hin zur Objektkunst. Bei der abschließenden Präsentation der Ergebnisse durchliefen wir die Ausstellung ein letztes Mal, tauschten uns aus und diskutierten, was bei der Platzwahl unserer Werke bedacht werden müsste. Die vielfältige und fächerübergreifend interessante Ausstellung des Kunstvereins ermöglichte es unserem KULT-Profil nicht nur, gemeinsam zu interpretieren, zu analysieren und zu diskutieren, sondern bot darüber hinaus eine außergewöhnliche Gelegenheit, die Relevanz von Kontext, Prozess und Funktion künstlerischer Werke nachzuvollziehen.
Johanna Dietrich (13.2)