Flucht, Hass und Versöhnung – Zeitzeuge Uri Themal zu Gast an der IGS:FF
Fast 400 Schülerinnen und Schüler des 9. und 10. Jahrgangs sowie der Oberstufe erlebten am 23. Februar eine besondere Geschichtsstunde: Der Holocaust-Überlebende Uri Themal berichtete von seiner Kindheit im Nationalsozialismus und stellte sich den Fragen der Jugendlichen.
Der Besuch hatte dabei auch eine besondere Symbolkraft. In unserem Schulgebäude befand sich einst ein Stützpunkt des Luftflottenkommandos der Nationalsozialisten. Herr Sauerland sprach deshalb von einem bewussten Zeichen, Geschichte nicht zu verdrängen, sondern sich ihr aktiv zu stellen.
Themal, 1940 in Berlin geboren, schilderte eindrücklich, wie seine Mutter ihm nach und nach den gelben Stern, das „J“ in der Kennkarte und den aufgezwungenen Zweitnamen „Israel“ nicht ersparen konnte. 1942 begann die Flucht: Mit gefälschten Papieren versteckten sich Mutter und Sohn bei einer überzeugten Nationalsozialistin. Später überlebten sie bis Kriegsende im Untergrund. „Meine Mutter schenkte mir zweimal das Leben“, sagte der 86-Jährige – zur Geburt und durch ihre Entschlossenheit im Krieg.
Nach 1945 erfuhr die Familie vom Tod nahezu aller Verwandten in Konzentrationslagern. 1949 wanderte sie nach Israel aus, kehrte jedoch aus gesundheitlichen Gründen der Mutter nach Deutschland zurück. Themal berichtete offen von seinem anfänglichen Hass auf Deutsche – und von einem Wendepunkt in seiner Jugend, als er erkannte, dass Schuld nicht vererbbar ist. Diese Erfahrung führte ihn später zum Studium der Politologie und zur Ausbildung als Rabbiner.
Der fast zweistündige Austausch war von großer Offenheit geprägt. Die Schülerinnen und Schüler stellten nicht nur Fragen zur Vergangenheit, sondern auch zu aktuellen Themen wie der Leugnung des Holocausts oder dem Nahostkonflikt. Themal betonte, dass nichts mit dem Holocaust vergleichbar sei, und rief dazu auf, wachsam gegenüber Rassismus und Ausgrenzung zu bleiben.
Viele Jugendliche zeigten sich beeindruckt. Sie hoben in den Nachgesprächen hervor, wie anschaulich und eindringlich die Ereignisse geschildert wurden. Der direkte Dialog habe Geschichte greifbar gemacht und zum Nachdenken angeregt.
Für die Schule war die Veranstaltung mehr als ein Zeitzeugengespräch: Sie war ein Beitrag zur demokratischen Bildung. Geschichte darf nicht nur als etwas Geschehenes vermittelt werden, sondern sollte immer auch dazu anregen, sich kritisch mit ihr auseinanderzusetzen. Die Veranstaltung nahm unter dieser Perspektive auch die Verantwortung der jungen Generation für ihre gesellschaftliche Zukunft in den Blick.
Jens Siebert (FBL GL)









